Der Weg ist das Ziel – Kids für das Skitourengehen begeistern

Die Leidenschaft weitergeben – wer will das nicht? Wenn es sich dabei aber um den eigenen Nachwuchs in einem Ausdauersport handelt, ist die Sache auf den ersten Blick gar nicht so einfach. Seit Jahren bin ich begeisterter Tourengeher, doch wie entzünde ich dieses Feuer auch bei meinen Söhnen? Diese Frage stellte ich mir vor zwei Jahren. Da waren mein beiden Burschen 10 und 12 Jahre alt. Und so ehrlich muss ich sein, beim Großen bin ich im ersten Jahr gescheitert. Gleich schon beim ersten Versuch. Er wollte es gar nicht erst probieren. Na gut, einfach keinen Druck machen und weiter dran bleiben dachte ich mir. Letztlich sollte das auch zum Ziel führen.

 

Beim Jüngeren der beiden wars einfacher. Er wollte es probieren und so haben wir das Abenteuer in Angriff genommen. Wichtig ist sicher, dass man den Kindern das Ganze vorlebt. Beide haben mich immer gesehen, wenn ich zu einer Tour aufgebrochen und damit stieg die Neugier. Sie fahren beide gut Ski, trotzdem habe ich mir zu Beginn kombinierte Pistentouren ausgesucht. Und ganz wichtig, immer mit einem Ziel. Zu Beginn wars eine Hütte, wo dann der Kakao wartete und ich auch wusste, dass nicht viel Verkehr beim Aufstieg ist.

 KidsonTour_02

Der Beginn ist trocken, also erst zu Hause an das Material gewöhnen. Ich habe das alte Hagan-Kinderset verwendet. Der Vorteil, es hat ein für Skifahrer bekanntes Bindungssystem. Der Einstieg ist schnell geübt und das Trockentraining ließ die Vorfreude steigen. Inzwischen gibt’s auch hier ein Pin-Bindung, da ist das Üben im Trockenen noch wichtiger. Denn im Gelände kostet das sonst viel Energie und bremst vor allem den Spaß. Ich habe mir einen eher flachen Anstieg ausgesucht für das erste Mal. Ein Skiziehweg, der aber kaum befahren wird und durch die schöne Landschaft führt. Wichtig ist es, das Tempo zu drosseln. Denn die Kids haben zu Beginn immer viel Energie und wollen losstürmen. Am besten geht man langsam neben ihnen her und verwickelt sie in ein Gespräch. Das lenkt ab und drosselt die Geschwindigkeit. Auch hat man dann viel Zeit auf die Landschaft zu achten und genau das macht dann Spaß. Denn wir haben Eiszapfen und Spuren im Schnee gesucht usw. Dabei bleibt man auch immer wieder stehen. Das ist aber kein Problem, denn mit den Kids bewahrheitet sich der alte Spruch „Der Weg ist das Ziel“. Man sollte nie auf die Zeit schauen oder unter Druck das Ziel erreichen wollen. Ich habe zwar ein Ziel genannt, damit er grob eine Vorstellung hat. Aber es war nie das Thema, dass wir „da rauf müssen“.

 

So habe ich dann über den Winter die Touren angepasst. Immer wieder leicht gesteigert oder die Strecke technisch weniger leicht gemacht. Immer so, dass ich sehen konnte, dass er es locker schafft. Wichtig sind diese Erfolgserlebnisse. Ich habe ihm dann immer gezeigt, wo wir schon waren oder wo wir noch gehen könnten. Sobald ich einmal Duck machte, dass war es da rauf schon noch schaffen müssen, war auch der Spaß weg. Ich habe es als gemeinsames Spazieren mit Ski gesehen. Besonders Spaß haben ihm die Abendtouren bei Flutlicht gemacht und das gemeinsame Getränk mit dem Papa oben auf der Hütte hatte für uns beide etwas Besonderes und ist es noch.

 

Mit dem Großen habe ich dann vor einem Jahr gleich angefangen. Und es hat wieder funktioniert. Inzwischen sind wir zu dritt unterwegs und steigern uns bei den Touren immer wieder. Wie lange die Touren sein können, ist sehr davon abhängig, wie sportlich die Kinder ansonsten sind. Ich habe mit 40 Minuten begonnen, inzwischen sind wir schon bei zum Teil 90 Minuten. Hier kann man aber keine Zahl nennen, sondern man muss auf das Kind hören. So lange es Spaß macht gehen wir, wenn’s nicht mehr so ist, fahren wir ab. Das funktioniert bestens. Bei den Abstechern in das Gelände gilt noch mehr Vorsicht, als wenn man mit Erwachsenen unterwegs ist. Auch hier habe ich immer eine sehr flache Spur getreten, damit sie leicht nachkommen. Getränke und Gummibären habe ich immer mit dabei, das nutzen die beiden als Pause und wir können dann über das reden, was wir gerade sehen. Es ist mir wichtig, ihnen das Naturerlebnis weiterzugeben.

 KidsonTour_07

Wichtig ist also aus meiner Sicht, keinen Druck zu machen, sehr leichte Routen aussuchen. Erst auf der Piste, erst dann langsam ins Gelände. Eine Strecke aussuchen, die wenig begangen wird und ihr so ungestört die gemeinsame Zeit verbringen könnt. Wenn’s mal nicht geht, schnell helfen und erklären, wie er das Problem das nächste Mal vermeiden kann und zu guter Letzt eine brauchbare Ausrüstung. Ja, ein Kinderset und vor allem die Tourenschuhe kosten Geld. Aber der Spaß mit dem richtigen Material ist ein Anderer. Wir haben mit Skischuhen begonnen, aber schnell gewechselt. Es ist nur eine unnötige Plagerei mit den Skischuhen. Inzwischen nuten wir die Tourenausrüstung auch zum normalen Skifahren. Denn hier spüren die Kids kaum Unterschiede (außer sie sind Skirennläufer).

 

3 Tipps:

Langsam angehen – der Weg ist das Ziel

In gutes Material investieren

Genießt die gemeinsame Zeit, am Anfang sollte der sportliche Gedanke ganz im Hintergrund stehen.